Hallo Turgan,
auch wenn ich selbst gerade noch in der Schockwelle nach einer (sehr) frischen Trennung stecke, möchte ich zu Deinen Fragen ein paar Zeilen schreiben.
Wenn ich etwas gelernt habe, dann ist es: sich die Zeit nehmen, die es braucht. Das, was Du beschreibst, hatte ich vor etwa 8 Jahren. Das Aus meiner Ehe, weil meine Exfrau sich in jemand anders verliebt hatte; dann Trennung, Scheidung etc.
Nach Schock und Trauer habe ich mich langsam wieder berappelt, soziale Kontakte (re)aktiviert, neue Interessen und Hobbies entwickelt und anderes mehr. Auch ich hatte aber keinen Bock auf allein bleiben. Etwa ein Jahr nach der Trennung habe ich angefangen, mich umzusehen in den von Dir angesprochenen Portalen. Es kam dann recht schnell zu einem Kontakt, alles sehr aufregend und neu für mich damals (so quasi ein blind date, obwohl vorher natürlich mail- und telefonkontakt da war). Daraus entstand eine knapp dreijährige Beziehung. Davon waren allenfalls die ersten 10 Monate für beide wohl wirklich gut. Heute weiß ich für mich, es war zu früh. Das meinte ich eingangs mit Zeit. Ich hatte mir (und dabei dachte ich, ein Jahr sei doch viel) zu wenig Zeit genommen, mich vor allem zu wenig mit mir, der Vergangenheit etc. auseinandergesetzt. Als die Beziehung dann zuende war, bin ich genauso abgestürzt wie nach der Ehe, obwohl letztere 10 Jahre (und vorher 8 Jahre ohne Trauschein) gedauert hatte. Ich habe den Psychotherapeuten, der mir schon durch die Scheidungszeit geholfen hatte, wieder gebraucht und werde nie vergessen, was der mir dann sagte: für mich sieht es so aus, als ob sie mit dieser (letzten) Beziehung ihre Ehe bzw. die Beziehung mit ihrer Frau einschließlich aller Dramen und Probleme quasi im Zeitraffer (weil diesmal nur drei Jahre) wiederholt haben.
Das hat mich ziemlich umgehauen, aber nach und nach bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass er Recht hatte.
Ich habe danach viel Zeit gebraucht, um mich wieder neu aufzustellen. Habe auch länger gewartet, bevor ich erneut angefangen habe, mich umzusehen. Ich war dann auch sehr viel zurückhaltender. Habe mehrmals bei durchaus gut laufendem Kontakt mit netten Frauen, die ich auf unterschiedliche Weise kennengelernt habe, für mich selbst sagen müssen, irgendwie geht nicht mehr als Freundschaft. Eine Beziehung konnte ich wohl noch nicht eingehen. Was das Thema erneute Beziehung und Trennung angeht, so war es dann meine Ex-Freundin, die über ein Jahr beharrlich um mich geworben hatte, die dann irgendwie das Eis zum Schmelzen brachte. Wieder hab ich gedacht, dass ich ansonsten viel weiter bin mit mir. Ich hatte erneut viel für/mit mich/mir selbst getan. Z.B. nach 20 Jahren Pause wieder angefangen, als Musiker aktiv zu werden u.ä. Nun denn, es ist erneut gescheitert. Hat in diesem Fall allerdings auch mit anderen heftigen Problemen zu tun, vor allem damit, dass meine Ex-Freundin (die sich nach 30 Jahren Ehe von ihrem Mann getrennt hatte, unter negativen Reaktionen der Kinder litt und erhebliche finanzielle Probleme durchstehen musste) während der Beziehung an Depressionen erkrankte.
Ich möchte das nicht vertiefen, weil es noch zu frisch ist und weh tut. Ausdrücken möchte ich, für mich gab es (wie wohl oft im Leben) gute Erfahrungen danach und auch sehr schlechte. Ich glaube, mehr und mehr zu lernen, dass es wichtig ist, sein eigenes Leben anzunehmen, so viel wie möglich daraus zu machen. Je mehr man mit sich selbst im Reinen ist und in einer Beziehung nichts sucht, was einem - nach dem eigenen Gefühl - zu fehlen scheint, desto eher wird auch ein Neuanfang mit neuem Partner gelingen. Ich meine damit, das Gefühl, der Wunsch, nicht alleine zu sein, nicht allein zu leben etc., ist gerade keine gute Grundlage, um wieder mit einer Zweisamkeit zu starten.
Erst wenn man genug eigene Zufriedenheit (mit dem Ist-Zustand, also dem ohne Partner) entwickelt hat, genügend Distanz zur Vergangenheit und genügend eigene Inhalte, dann - glaube ich - kommt auch irgendwann der Zeitpunkt und auch der (hoffentlich passende) Partner, um das Alleinsein zu beenden.
Glück auf!
Outoftime
16.08.2015 08:27 •
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