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Wege durchs Nebelmoor

Solist
Das Folgende ist ein Zyklus von 18 Teilen.

Ich weiß noch nicht, wieviel ich davon hier bringe, weil sie teilweise düster sind und möglicherweise
triggern - nicht nur mich, sondern vielleicht auch den einen oder anderen von euch.

Der ganze Zyklus entstand im Jahr 2009.

1. Am Waldrand

Über uns sanftes Mondlicht
hinter uns der Dornenwald.
vor uns – das Moor.
versteckt unter einem Mantel aus Nebel–
kalt, dick, alles verdeckend, stumm.

Hinter uns, jenseits des Waldes
leise das Gebell der Hunde, die Rufe der
Jäger,
manchmal verschwindend
unter den Stimmen der Nachtvögel.
Wir sehen uns an.
Die Kleidung zerrissen
von den Dornen.
Deine mehr als meine.
Die Körper gezeichnet.
Deiner mehr als meiner.

Ich:
Eine große Wunde über dem Herzen.
Alt, längst verheilt,
die nur noch schmerzt,
wenn sich das Wetter ändert.
Viele kleine.
Alte, jüngere,
frische, aus denen noch das Blut rinnt.

Du:
Einige große, noch kaum verheilt,
empfindlich, verletzlich.
Schmerzen verursachend.
Meine Hand streichelt vorsichtig
zärtlich über die größte.
an deinem Arm.
Unsere Blicke treffen sich.
Unsere Lippen berühren sich.
Unsere Hände verbinden sich.

Ich spüre deine Wärme.
. und deinen Schmerz.
Du spürst meine Liebe.
. und meine Unsicherheit.
Ich fühle deine Hand
meine drücken.
Ich spüre neue Kraft.
Ein letzter Blick in deine Augen.
Dein Nicken.
Ich halte deine Hand
und wir beginnen unseren Weg
. durch das Nebelmoor.

30.03.2025 22:19 • x 4 #1


Solist
2. Im Nebelmoor
Ein Schritt, noch einer, ein dritter.
Der Nebel umfängt uns,
verschluckt uns
wie kalte Watte.
Wo vorher die Geräusche der Nacht
waren,
- das Hundegebell, die Schreie der Jäger

Stille nun,
nur unterbrochen von leisem Platschen
einer Pfütze,
vom Schlürfen eines Schlammlochs.
Um uns herum,
nicht dunkel, nicht hell.
Düsternis.

Der Weg
kaum zu sehen
der Boden vor den Füßen.
Ich kann dich nicht sehen
nur spüren,
deine Hand, deine Wärme
deinen Atem
der mich deine Nähe fühlen lässt.
Deine Liebe, deine Stärke.

Schatten umgeben uns.
Dunkle Schemen
in der Düsternis.
Meine Schatten,
deine Schatten.
Du wehrst die meinen ab,
ich die deinen.

Irrlichter narren uns,
verwirren uns.
Ich schließe meine Augen,
lass' mich führen
von deiner Liebe,
gehe nicht unter.
Ist es noch Nacht?
Naht der Morgen?
Ist es schon Tag?

Zeit verliert ihre Bedeutung...
Ein Schritt nach dem anderen.
Langsam, zaghaft, vorsichtig
...durch's Nebelmoor...

31.03.2025 04:31 • x 3 #2


A


Wege durchs Nebelmoor

x 3


Avalona
Zitat von Solist:
2. Im Nebelmoor Ein Schritt, noch einer, ein dritter. Der Nebel umfängt uns, verschluckt uns wie kalte Watte. Wo vorher die Geräusche der Nacht waren, - das Hundegebell, die Schreie der Jäger Stille nun, nur unterbrochen von leisem Platschen einer Pfütze, vom Schlürfen eines Schlammlochs. Um uns herum, nicht ...

Die Stücke sind wirklich sehr schön, Solist.
Da warst du sicherlich mal sehr verliebt.
Sehr intensiv geschrieben. Ich mag sie.

01.04.2025 19:25 • x 2 #3


Solist
Zitat von Avalona:
Die Stücke sind wirklich sehr schön, Solist. Da warst du sicherlich mal sehr verliebt. Sehr intensiv geschrieben. Ich mag sie.

Stimmt... Und es endete wie bisher immer bei mir...

01.04.2025 19:28 • #4


Avalona
@Solist
Also noch bist du nicht tot!

01.04.2025 19:31 • x 3 #5


Solist
@Avalona Daher das bisher...

01.04.2025 19:35 • #6


Solist
3. Der Weg nach Tír na nÓg

Immer weiter tragen uns
die Füße
weg von den Jägern,
weg von den Dornen,
weg von den Schatten
durch das düstere Grau.
Stille umfängt uns.
Noch immer hältst du meine Hand,
läufst neben mir.
Immer wieder berühren wir uns
spüren uns
ohne uns zu sehen.

Der Boden steigt an,
wird fester,
trockner.
Der Nebel dünner,
heller.
Langsam beginnst du
Gestalt anzunehmen.
aus dem Schemen
wird ein Mensch.

Wir halten inne.
Du nimmst mich in den Arm,
mein Kopf sinkt an deine Brust.
Zärtlich streicht deine Hand
durch mein Haar,
wandert abwärts
über die große Narbe.
Sanft folgen deine Finger der Spur,
wandern hinauf, hinunter...

Ein leises Ziehen...
die Ränder glätten sich,
das Rot verblasst, verschwindet...
Unsere Blicke treffen sich,
versinken in einander.
Meine Lippen berühren
deine Narbe...
Sie vergeht,
wie zuvor die meine...

Heller wird das Grau,
dünner, nicht mehr so kalt.
Eine bleiche Scheibe
weißt den Weg,
fordert auf
ihr zu folgen
Der Nebel ist verschwunden
gleich einem Geist.

Die Wärme einer Sommernacht
umfängt uns
nach der Kälte.
Umschmeichelt uns
Engelsflügeln gleich,
zärtlich streichelnd.
Kindern gleich
versinken wir in einem Traum,
lassen uns fallen
in unserer Liebe

Tír na nÓg - Insel der Träume
...im Nebelmoor..

01.04.2025 19:40 • x 3 #7


Avalona
Solange ein Dichter seinen Federkiel noch nicht weggefeuert hat, ist noch nicht Ende im Gelände.
Auch nicht im Nebelmoor.

01.04.2025 19:41 • x 4 #8


Solist
@Avalona

01.04.2025 19:41 • #9


GreenTara
@Solist Warum schreibst du, du willst nicht alles veröffentlichen, wegen der Düsternis? Und Verstörung.
Lauert Unheil im Nebelmoor? Ist es deine eigene Düsternis?
Vor meinen Augen erscheint schemenhaft ein Paar, umweht von grauen Nebelhaar. Es gluckert und schmatzt, und, gurgelt das Moor, wie schwarze Finger ragen Äste empor. Gluckernd steigen *beep* auf, flüstern unhörbare Geheimnisse, auch das Mondlicht gibt nichts preis. Das Käuzchen ruft, was gruselt mich. Eine Wolke schiebt sich vor das schwache Licht.
Die Szene ist in Finsternis getaucht, aus dem Moor empor die Eiseskälte steigt. Das Käuzchen schweigt. Patschpatsch.

Zitat von Avalona:
Also noch bist du nicht tot

Und die Frau?

01.04.2025 20:07 • x 4 #10


Solist
@GreenTara In erster Linie meine Düsternis...

01.04.2025 20:08 • x 1 #11


Avalona
Zitat von Solist:
Eine bleiche Scheibe
weißt den Weg,
fordert auf
ihr zu folgen

Schönes Bild, du hast Talent.

01.04.2025 20:10 • x 3 #12


Avalona
Zitat von Solist:
@GreenTara In erster Linie meine Düsternis...

Könnt man Konfetti reinstreuen?

01.04.2025 20:11 • x 1 #13


Solist
Zitat von Avalona:
Könnt man Konfetti reinstreuen?

In meinen Geist? Kannst es ja mal versuchen...

Aber ins Nebelmoor? Die Zeiten sind lange vorbei...

01.04.2025 20:13 • #14


GreenTara
Oder erhellen mit den weißen Schirmchen des Löwenzahn

01.04.2025 20:14 • x 3 #15


A


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