Zitat von MMHW71: Einzig verstörend bleibt für mich, warum er mich so intensiv umworben hat, mich irgendwann verliebt gemacht hat und eigentlich wusste, dass es für ihn nur seine Familie gibt, die ihm auch so wichtig ist. Des Weiteren war der Abschluss eine Sache, die anscheinend das Ganze nicht ruhen lässt. Stundenlange Telefonate, Friede Freude, Eierkuchen, nicht einmal ein schlechtes Wort und dann auf einmal aus heiterem Himmel nach tagelangem Nichtmelden ein 3-Zeiler? Es ist die Enttäuschung an der Person.
Ein letztes Abschlussgespräch, einfach ein ordentlich zu Ende gebrachtes Ding hätte meine Situation um zumindest 50 Prozent verbessert.
Noch dazu hat er immer gesagt, was immer auch kommt, er würde sich nicht aus dem Weg schleichen, sondern er würde das klar mitteilen und dann ist der große Mann auf einmal ein kleiner mickriger Wurm?
Es tut natürlich verdammt weh, wenn man quasi aus heiterem Himmel kurz und knapp verabschiedet wird. Ich erhielt eine Mail, dass er es nicht könne, abgeschickt nachts am halb eins.
Wenn ich hinterher nicht noch Kontakt gesucht hätte und ihm stattdessen eine Art Freundschaft angetragen hätte (so blöd muss man erst mal sein!), dann wäre es das gewesen und er hätte mich eben mal aus seinem Leben katapultiert. Aber ich wollte ja die Langversion des Loslassens mit gelegentlichen Kontakt noch nach der Trennung. So kam ich ewig nicht von ihm los.
Selbst Schuld!
Es sind zwei Dinge, die hinterher schmerzen:
1. Die Lücke die er hinterlässt. Gerade bei emotional aufgelandenen Beziehungen wie Affären empfindet man nach dem Ende oft eine Leere, denn es bleibt eine Art Leerstelle, die zunächst nicht kompoensiert werden kann. Womit denn auch? Denn nichts berührt einen hinterher so sehr im posiitiven Sinn und sorgt für die gewohnten Gefühlssensationen. Denn was bietet eine Affäre denn sonst? Überbordende Gefühle, Vorfreude aufs nächste Treffen, gefühlt nahe und verbindende Gespräche gewürzt mit der Heimlichtuerei und dem Verbergen. Nichts interessiert einen Menschen mehr als etwas, was er nicht tun sollte. Denn das verleiht dem Ganzen noch ein zuätzlichen Kick.
2. Das verletzte Ego. Man hat sich reingehängt, gelogen und betrogen für den Affärenpartner und natürlich auch sich selbst damit belogen. Ich darf das, ich nehme mir das, denn das ist besser als das, was ich zu Hause habe. Es steht mir zu. Nein, eigentlich nicht, denn schließlich hat man mal geheiratet mit dem Versprechen der Treue. Das wird dann halt nach einigen Jahren schlichtweg vergessen und spielt keine Rolle mehr.
Und hinzu kommt nun die Schmach, die die eigene Ehre und gefühlte Wichtigkeit für den AP nun mit Füßen tritt. Ein paar Zeilen und das war es dann. Dabei hatte man doch gehofft, er würde ... eines Tages ... das alles doch Realität werden lassen. Die gefühlte Wertlosigkeit, dass man nicht mal ein richtiges Abschlussgespräch wert war, ist immens. Vor allem weil man aus der Affäre auch Bestätigung fürs eigene Ego zog
Hach, was bin ich toll, dass dieser einzigartige Mann sich mit mir abgibt, sich Zeit für uns nimmt. Ich muss ja wahrlich besser sein, als ich von mir angenommen habe.
So einzigartig wie gedacht ist der AM natürlich nicht, aber man kennt sein Allttagsgesicht nicht, seine Angewohnheiten, seine sich wiederholenden Aussagen über dies und jenes, die man irgendwann nicht mehr hören kann und von denen man vorher schon weiß, was sie beinhalten werden. Der ganze Überdruss einer Dauerbeziehung, auch die gefühlte Langeweile einer Langzeitbeziehnung, fallen weg. Man weiß nicht wie ein Alltag wäre, aber sich ganz anders als er sich während der Affäre erträumt wurde.
Es ist schichtweg verletzter Stolz, der hier spricht. Erst fühltest Du Dich megawichtig, attraktiv und begehrt und jetzt spielst Du keine Rolle mehr und nimmst wieder den Platz in der hinteren Reihe ein.
Abschiedsgespräche werden ohnehin völlig überschätzt, denn was hätte er sagen sollen? Du, wir werden uns nicht mehr sehen, weil ich das nicht mehr will und kann mit den parallelen Beziehungen. Und meine Ehe und Familie ist mir eben doch wcihtiger. Tut mir leid, Dir das jetzt sagen zu müssen, denn ich schätze Dich ja über alle Maßen, aber es muss sein. Ich musste mich nun entscheiden und werde mein gewohntes Leben nicht verlassen.
Das verstehst du hoffentlich (und wenn nicht, ist es mir auch egal.).
Brauchst Du so was? Nein, eigentlich nicht, denn Worte machen nichts besser. Du hättest geheult, womöglch gebettelt, ihm womöglich eine Szene gemacht und wärst als emotionales Nervenbündel wieder in Dein Schmalspurleben zurückgekehrt. Ausgesondert, weggeworfen, aus und vorbei.
Man bildet sich nur ein, dass ein Gespräch unter vier Augen den Schmerz gelindert hätte. Nein, hätte es nicht, denn der Effekt ist immer derselbe.
Aber das Ego, der Stolz schreit: Nicht mal ein Gespräch war ich ihm wert, dem ist er aus dem Weg gegangen und hat es vermieden, weil es so viel einfacher ist.
Weg vom Fenster bist Du so und so und ein wenig Gelaber unter Tränen hätten nichts verbessert, gar nichts.Das ist nur Einbildung.
Und dann diese ewige Glorifzierung dieses wunderbaren Menschen, der ja so eine Bereicherung im gefühlt armseeligen Leben ist! Ach, er ist ja so tiefgründig, aber auch so humorvoll und mit keinem konnte ich so gut reden wie mit ihm.
Naja, kennt man das Alltagsgesicht nicht, kann man sich immer viel einbilden und den AM zu einem Wunderwesen hochstilisieren, denn man muss ja das Normale mit ihm nicht erdulden.
Zeit, sich davon zu verabschieden. Er ist nur ein Durchschnittstyp, der Dich für einige Zeit zu einer Art Prinziessin gemacht hat und dem trauerst Du nun hinterher.
Dein Gefühlsgedächtnis leistet ganze Arbeit und erinnert Dich ständig an ihn. Eine besitmmte Ecke in der Stadt, ein Straßenschild, ein Lied im Radio und schon ist er wieder präsent. Ich konnte über Wochen nicht an einem bestimmten Supermarkt vorbei fahren geschweige denn dort einkaufen. Zu viele schmerzliche Erinnerungen, dabei waren wir gemeinsam vielleicht zweimal drin.
Und mit der Erinnerung kommt die Sehnsucht und dann wieder die Realität. Er ist weg und bleibt weg. Und damit der Schmerz, der wieder das Vermissen ankurbelt. Und so weiter und so fort. Gedankenmühle und das ganze noch gewürzt mit einer ordentlichen Prise Selbstmitleid. Wundervoll!
Vielleicht schaust Du ihn mit der Zeit nüchterner und realistischer an. Er war kein guter Mann, denn auch er hat betrogen und gelogen und verheimlicht, aber da er es für Dich tat, war es schwer in Ordnung für Dich. Denn Du hast ja davon profitiert und dann macht das alles nichts mehr. Die Olle daheim ist ja selbst Schuld, wenn sie nicht liebevoller mit ihm umgeht. Aber ich, ich täte das! Ja sicher, die ersten Monate, ehe die Realität Einzug gehalten hätte. Dann wäre möglicherweise ein Aufprall erfolgt, denn diesen Hoffnungen kann keine Affäre im gelebten Leben standhalten. Die Erwartungen sind völlig überzogen und realitätsfern.
Vielleicht ein heilsamer Schock, über den Du eines Tages noch froh sein wirst. Denn so was ist auch ein Weckruf, dass es Zeit für etwas Neues ist. Damit ist in der Regal aber kein neuer Mann gemeint, sondern die Fähigkeit, das eigene Leben auf den Prüfstand zu stellen und es zu gestalten, sodass es irgendwann wieder passt und glücklich und zufrieden macht. Wer das nicht schafft, bleibt in der Opferrolle stecken und die blockiert nur. Ach, nicht mal ein Gespräch war ich ihm wert!