Vor ein paar Tagen hat mich (34) meine Freundin (29) nach sieben Monaten Beziehung verlassen. Anstatt den Gedanken eine gemeinsame Wohnung zu gründen voran zu treiben, befasse ich mich nun mit dem Scheitern unserer Partnerschaft.
Sie war nicht nur meine Partnerin, sondern auch meine beste Freundin und stärkste Bezugsperson. Alles, wirklich alles habe ich mit ihr geteilt. Hab ihr alle meine Probleme genannt und sie komplett in mein Leben eingebunden. Ich verliere neben der körperlichen Zuneigung auch einen ganz tollen Menschen, mit dem ich mich über alles unterhalten konnte. Das tut mir am meisten weh. Es schmerzt nicht nur, es zerreißt mich. Durch meine Freundin habe ich mich unverletzbar gefühlt. Sie war für mich wie ein Fels in der Brandung. Ist mir etwas Negatives widerfahren so wusste ich immer, dass sie für mich da ist. Ich fühlte mich behütet und beschützt.
Kam die Trennung unerwartet? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Wir hatten eine schöne Zeit, aber auch viele Grundsatzdiskussionen. Zwei Partner müssen nicht grundsätzlich dieselben Ansichten haben – aber dem Partner dessen Ansichten abzusprechen und seine eigenen Auffassungen aufzudrücken ist ganz sicher nicht Beziehungsfördernd. Und genau das habe ich gemacht. Beispiele hierfür gibt es mehr als genug. Leider. Auch lächerliche Sachen wurden diskutiert, einfach vollkommen unwichtige Begebenheiten. Wieso ich oftmals eine Kontrastellung ihr gegenüber eingenommen habe muss an meinem Charakter liegen. Muss ich am Ende immer Recht haben? Nein! Aber wieso wollte ich das? Ich habe wirklich an mir zu Arbeiten. Es ist nicht das erste Mal dass ich Menschen vor den Kopf stoße. Wieso bin ich oftmals so latent aggressiv und muss in Diskussionen immer das letzte Wort haben bzw. meinen Standpunkt bis aufs letzte verteidigen?
Sie ist ein sehr freiheitsliebender Mensch, der spontan ist, weltoffen, kommunikativ und neugierig. Als wir uns kennen lernten haben wir sehr viel gelacht, das wurde mit der Zeit weniger. Uns richtig einander kennen zu lernen begann im Grunde erst, als wir schon zusammen waren. Wir hatten uns keine große Vorlaufzeit gegeben. Und so war der Start ein wenig holprig. Aber wir hatten Gefühle füreinander und waren beide sicher daran interessiert eine aufregende Zeit zu erleben.
Unsere gemeinsame Zeit war auch toll. Wir haben viel erlebt, uns umsorgt und lieb gehabt. Wir waren zusammen im Urlaub und haben uns gegenseitig in vielen Momenten gut getan. Aber es gab auch viele, zu viele, Augenblicke, in denen wir uns nicht gut getan haben.
Ich leide sehr unter unserer Trennung und würde sie gerne wieder im Arm halten dürfen, aber ich sehe mittlerweile klarer, weshalb sie diesen Schritt gehen musste.
Es ist nicht meine Art, die Schuld zuerst bei mir zu suchen. Auch bin ich nicht in der Situation komplett an mir zu zweifeln, dennoch kann es keinen anderen Grund geben, als mein Verhalten, der sie dazu verleitet hat keine gemeinsame Zukunftsperspektive zu sehen und die Trennung zu vollziehen.
Die Trennung an sich lief nicht böse ab, wir haben viel geredet und auch geweint. Ich denke, ihre Tränen waren mehr auf meine Traurigkeit bezogen und das ich verletzt bin, aber sicher tut ihr der Schritt auch ein wenig Leid. Denn wenn alles gut gewesen wäre, hätte es nicht dazu kommen müssen. Gefühle waren immer noch vorhanden, aber eine Beziehung bedarf mehrerer Säulen.
Wir haben uns jeden Mittwoch gesehen. Da kam sie zu mir und blieb bis Donnerstagmorgen. Mittwochs gingen wir oft ins Theater oder unternahmen andere Dinge. Dann sahen wir uns meist auch das gesamte Wochenende, wenn nicht andere Sachen wie Geburtstage oder Heimatbesuche dazwischen kamen. Sie war dann bei mir von Freitagabend bis Montagmorgen. Wir kauften gemeinsam ein, kochten, teilten das Bett und haben die Tage zusammen verlebt. Meist haben wir uns ganz toll verstanden, konnten gut miteinander Reden und suchten die Nähe des anderen. Eigentlich hätten wir noch viel mehr unternehmen sollen. Sport oder Tanzen gehen. Beide mögen wir es sehr, aktiv zu sein. Aber es gab Einschränkungen wie einen gebrochenen Fuß bei ihr oder anderer Probleme bei mir, so dass es nicht immer möglich war. Ganz sicher hätten wir in der nun vor uns liegenden warmen Jahreszeit viel mehr unternommen.
An Tagen wo wir uns nicht gesehen haben freute ich mich über jede SMS, jeden Anruf oder Nachricht von ihr. Ich freute mich riesig auf unser Wiedersehen und habe schon Pläne gemacht was man tolles dann machen oder womit ich sie überraschen kann. Ich Plane gerne und bin eher weniger Spontan. Sie war da ganz anders. Sehr sogar. Sie musste auch nicht jeden Tag wo wir uns nicht sahen Kontakt haben. Für sie reichte es zu wissen, dass wir uns ja in ein oder zwei Tagen wieder sehen. Und die Zwischenzeit hat sie auch ihre Ruhe gebraucht.
Bei ihr zu Hause waren wir seltener. Daher erinnert mich so vieles im Moment an sie. Ich sehe sie in der Küche, wie wir Frühstücken und ihr Nutella an den Lippen klebt, wie sie aus der Dusche steigt und sich die Zähne putzt oder wie sie neben mir schläft. Ganz friedlich und wunderschön.
Es gab eine Zeit, da haben wir uns so oft gesehen und ich habe sie so stark eingenommen bzw. sie war so oft mit mir zusammen, dass sie auf ihrer Arbeit unkonzentriert gewesen ist. Das wurde ihr dort auch gesagt und war auch dann ein Thema bei uns. Daher haben wir uns in der Woche in der Regel nur noch mittwochs gesehen. Das lag aber auch daran, dass sie an anderen Tagen ihren Hobbies nachging.
Unsere Beziehung wurde kurz vor Weihnachten auf die Probe gestellt. Ich war an ihrem Handy um die Telefonnummer ihrer Mutter herauszufinden, da ich ihre Eltern in das Weihnachtsgeschenk für sie einbeziehen wollte. Dabei habe ich eine SMS entdeckt welche nicht dem entsprachen wie sie mir erzählt hatte. Ich weiß, ich hätte gar nicht an ihr Handy gehen sollen, aber mir erschien zu dem Zeitpunkt das Mittel als legitim und ich hatte auch nicht vor zu spionieren und ihr Vertrauen zu missbrauchen.
Sie war dabei sich mit jemand, den sie vor mir kennengelernt hat zu Treffen. Für sie war es nur ein Treffen aber für mich war es ein Vertrauensbruch. Wieso hat sie mir nicht einfach erzählt, dass sie mal mit jemand etwas unternehmen möchte bzw. dass diese Planung am Laufen ist?
Das war ein Punkt den ich an ihr nicht mochte. Sie hat nicht immer die Wahrheit gesagt bzw. bewusst Sachen weggelassen. In manchen Sachen macht es ja auch Sinn weil manchmal Dinge im Kopf herumschwirren die dann doch nicht zu Stande kommen. Wieso sollte man dem Partner Sachen erzählen die am Ende doch nicht eintreffen.
Heute sehe ich das auch so, aber in der Situation habe ich ihr Vorwürfe gemacht und meine Meinung ganz klar geäußert, dass so etwas nicht geht und man in einer Partnerschaft so etwas sagen sollte. Dabei ging es mir auch nicht darum, dass sie jemanden mal wieder sehen wollte und der Grund Eifersucht war, sondern mehr darum, dass sie mir einfach etwas verschwiegen hat.
Ein weiteres Beispiel ist ihr im Sommer stattfindende Reise in die USA. Sie hat sich eine Destination ausgesucht, in der jemand wohnt den sie sehr nett findet und eine Brieffreundschaft unterhält. Mir gegenüber hat sie immer gesagt, sie wolle vor Ort Arbeiten und die Menschen erleben. Das glaube ich auch und das weiß ich. Aber das Land ist so groß und sie kennt ja schon die Destination, da hätte sie auch überall anderes hinfahren können. Erst mit der Zeit hat sie mir verraten dass dort jemand lebt den sie kennt, der aber noch gar nicht weiß das sie im Sommer dort für zwei Wochen hinfährt. Konnte ich das glauben? Wollte ich das glauben? Wieso hat sie nicht gleich gesagt, dass sie auf ihrer Weltreise jemanden kennengelernt hat, den nett fand, mit ihm ab und zu Briefkontakt hat und aufgrund der Gelegenheit auch mal wiedersehen möchte? Wohlmöglich wäre ich darüber nicht erfreut gewesen, aber sie wäre ehrlich gewesen und hätte nicht wieder etwas verschwiegen.
Und genau das ist der Punkt!
Ich habe sie kontrollieren wollen. Ich habe ihr nicht vertraut. Sie wusste wohlmöglich, dass ich eifersüchtig reagiere oder daraus eine Diskussion mache. Vielleicht war es ihr aber auch einfach nicht wichtig mir das zu sagen weil sie in ihrer unbekümmerten Art und Weise sich dazu keine Gedanken gemacht hat? Für sie waren beides nur bekannte die man Mal wieder sehen möchte. Ohne meine dauernden Vorhaltungen hätte sie von den Vorhaben vielleicht erzählt. Nun bin ich überzeugt, sie dazu getrieben zu haben, mir manchmal Dinge nicht sofort zu nennen, damit ich nicht wieder launisch und boshaft reagiere. Dabei hat sie mir nie einen wirklichen Grund gegeben ihr nicht vertrauen zu können.
Ich bin sehr Tugendhaft und lege vieles auf die Goldwaage. Sie ist da ehr unkompliziert und spontan, macht sich nicht über alles Gedanken. So kommt es vor, dass sie ohne böse Absicht Sachen gemacht oder gesagt hat, welche ich nicht nachvollziehen konnte und ihr dann Vorhaltungen gemacht habe. Und genau das, so denke ich, ist der Hauptgrund unseres Scheiterns. Meine dauernden Vorhaltungen und Maßregelungen. Wie schrecklich ich war. Wie zerstörerisch. Wie unaussprechlich böse zu meiner Partnerin, zu der Frau für die ich die größten Gefühle habe.
Aufgrund meiner Tugenden empfand ich auch nicht immer die richtige Wertschätzung von ihr. Aber ich glaube auch da falsch gelegen zu haben. Ich sah einfach alles immer viel zu eng und stur.
Da sind Sachen bei gewesen, da fehlt mir heute das totale Verständnis mir selbst gegenüber. Wieso konnte ich unbedachte Aussagen von ihr nicht einfach mit Wortwitz begegnen? Wieso habe ich es nicht verstanden einfach mal nachzugeben? Wieso war es mir nicht möglich ihren Standpunkt versuchen zu verstehen? Wo ist mein Einfühlungsvermögen geblieben? Wo war meine Bereitschaft unserer Partnerschaft ständig Nährboden zu geben?
Von ihr hätte ich mehr lernen und adaptieren sollen, was es heißt, nicht alles so ernst zu nehmen und auf die Goldwaage zu legen. Mehr Spontanität und Gelassenheit hätte sie mir als aller bestes beibringen können. Denn sie selber hat mich so gut wie nie angegriffen. Von ihr gab es keine negativen Aussagen in meine Richtung weil sie von etwas enttäuscht war.
Meine Vorhaltungen haben unsere Beziehung kaputt gemacht.
Um mir zu gefallen bzw. mich nicht dazu zu verleiten, dass ich mich wieder einmal genervt oder besserwisserisch ihr gegenüber verhalte, hat sie aufgegeben Widerstand zu leisten und sich mit Kompromissen abgefunden. Freunde waren total erschrocken, als sie gemerkt haben dass sie in meiner Gegenwart ganz anderes ist, als sie sie schon immer kennen. Zuerst war ich auf ihre Freunde sauer, da diese ihr sicher zu diesem Schritt geraten haben. Jetzt denke ich, dass sie wirklich gute Freunde hat, die sie schon länger kennen als ich und ihr aus deren Sicht gute Ratschläge gegeben haben.
Am Ende sind es für mich nicht die verschiedenen Ansichten und Wertvorstellungen welche uns auseinander getrieben haben, sondern meine Interpretation dieser. Mit mehr Gelassenheit und einer geringeren egoistischen Sichtweise wäre es nicht hierzu gekommen. Sie hätte sich dann nicht automatisch verstellt und wäre weniger Kompromisse eingegangen. Weniger Stress = mehr Harmonie = mehr Zukunftsaussichten.
Ihr Entschluss steht fest, sie sieht keine gemeinsame Zukunft und sie sagte selber, dass sie die Gabe hat ganz schnell abschalten zu können und somit ein Ende für sich zu finden. Sie sagte, wenn wir es jetzt doch nochmal versuchen, dann stehen wir sicher in 3, 6 oder 12 Monaten wieder an einer T-Kreuzung und diskutieren wieder ob es noch Sinn macht mit uns.
Wir haben in manchen Dingen andere Ansichten - anstatt Verständnis, Geduld oder Gelassenheit aufzubringen habe ich Diskussionen angeregt. Es kam zu Kontrollhandlungen, Vorhaltungen und Maßregelungen von mir. Ich habe ihr Vertrauen gebrochen. Damit sie mehr Ruhe vor mir bekam, hat sie für sich Kompromisse gefunden und wurde zu einem Menschen der sie selber nicht ist und den ich auch nicht kennen gelernt habe. Aufgrund dessen sah sie keine gemeinsame Zukunft mehr.
Diese geschriebenen Zeilen stellen mich dar. Wenn ich das lese fehlen mir die Worte. Ich bin nicht mal selbst über mich erschrocken, erbost und enttäuscht, nein – es ist das Vielfache von dem. Ich habe einem Menschen für den ich sehr viel Fühle zum Teil eine unschöne Zeit bereitet. Die Trennungsschmerzen welche ich im Moment durchlebe sind gerechtfertigt und lassen mich hoffentlich an mir arbeiten und all das zum Guten verändern. Es sind offensichtlich Charaktere Eigenschaften und diese lassen sich nicht so schnell abstellen. Das bedarf Zeit und viel Verständnis von meinen Mitmenschen.
Mein Charakter, so liebevoll und zärtlich er in manchen Sachen ist, so (Selbst-)zerstörerisch kann er auch sein.
Es tut mir so sehr Leid. Sie ist ein guter Mensch und ich schäme mich über alles für das, was ich ihr angetan habe. Ich bin ein Monster.
Und trotzdem hab ich Dich so lieb mein Schatz.
23.03.2012 15:03 •
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