Weil das eigene Schicksal seine Pfade nie verlässt
wird manches nicht mehr sein, wie es mal war. So habe ich es heute in einem Songtext gelesen.
Das führte mir erneut vor Augen, dass ich ihn nicht zurück haben möchte oder werde, weil diese Zeit einfach vorbei ist. Obwohl diese Erkenntnis ziemlich eindeutig und klar schon im Moment der Trennung war (absurde Fantasien in besonders bedürftigen Momenten mal ausgenommen), befinde mich in einer Identitätskrise, die in der Pubertät und bei jedem Liebeskummer nicht schlimmer hätte sein können. Allenfalls im Burnout mag es ähnlich schlimm gewesen sein und trotz zahlreicher Versuche, mir Hilfe zur Seite zu holen, waren es letztlich die Selbstheilungskräfte, die mich damals zurück in das, was sich Leben nennt, führten.
Mit 47 machte ich die Erfahrung bzw. hatte das Gefühl, erstmalig gänzlich angenommen und angekommen zu sein und dass jegliches Streben nach Gefallenwollen völlig unötig wäre, da ich dem anderen genug war wie ich bin. Absolut genug. Mehr als genug. Mehr als ersehnt und begehrt. Das Tüpfelchen auf seinem Leben wie er auf meinem.
Ich habe bisher drei Männer im Leben geliebt (bei anderen glaubte ich es, aber es relativierte sich mit neuen Erfahrungen) und das nur einem von ihnen gesagt. In dieser Beziehung war ich immer sehr vorsichtig. Ich hatte Beziehungen, Affären. Leidenschaften, Zuneigungen und habe viele verschiedene und doch irgendwie immer gleiche Erfahrungen gemacht. Langweilig. Keine Lust mehr. Das war schon so, bevor ich ihn traf.
Bis vor gut einem Jahr wusste ich nicht, wie besonders es sein kann, mit jemandem zusammen zu sein. Womit ich den tollen Männern, die ich kennenlernte, nicht Unrecht tun möchte, aber nichts war wie die Zeit mit ihm. Den weniger tollen Männern, die ich kennenlernte, wünsche ich tolle Frauen, die das Gute in ihnen zum Vorschein bringen. Ach, eigentlich ist das auch wie Hohn, denn wie habe ich von ihm gehört Du machst mich zu einem besseren Menschen.?! Ich möchte nicht wissen, wie er mich verlassen hätte, wenn das nicht der Fall gewesen wäre. Jedenfalls nicht, sofern diese Aussage auf einem echten Gefühl beruhte und nicht nur zur Taktik gehörte.
Ich fragte mich bis dahin immer, wie die Menschen so sicher sein sein konnten, dass sie den jeweils richtigen Partner fürs Leben gefunden hätten und warum das nun ausgerechnet Max Mustermann oder Lieschen Müller aus dem gleichen Ort sein sollte. Das ergab für mich nie einen Sinn. Wann immer es zuvor womöglich auf Heirat und oder Familiengründung hinaus lief, büchste ich aus. Ich hatte immer eine vage Ahnung, dass das was mich mit dem jeweiligen Menschen verband, nicht alles gewesen sein kann und wollte mich niemals in Ketten legen lassen. Ich wollte nie mit jemandem verbunden sein und heimlich noch nach etwas oder jemand anderem streben.
Dann war ich 47 und durfte erfahren, dass es auch anders sein kann. Es ist eine unglaublich traurige Erkenntnis, dass dieses mir erst so spät erlaubt war. Diese Erfahrung war viel zu kurz und während ich sie machte, hatte ich keinen Zweifel, dass das nun für immer sein würde. Eine andere Möglichkeit fand in meinem Denken gar nicht statt. Etwas anderes vermittelte er auch nicht.
Das war ein Irrtum. Ich habe weder die Hoffnung noch Lust auf das Gequatsche, dass der Richtige dann einfach noch nicht da gewesen sei. Das ist schlicht *beep*. Ich bin nicht mehr 20 und wenn ich sehe, mit was für Murks sich Menschen arrangieren, die genau diese Sprüche bringen, suche ich mir lieber irgendwann jemanden, mit dem ein gutes S.uelles Arrangement möglich ist oder lasse es ganz sein.
Für manche Menschen gibt es den oder die Richtige nicht. Andere finden schon ganz am Anfang ihres Liebeslebens ihren Deckel oder Topf oder ihre Illusion oder was weiß ich. Dazwischen gibt es unfassbare viele Konstellationen von langer und kurzer Dauer, von richtig und falsch, von Glück und Unglück, vom Lügen, Belogenwerden und Sichselbstbelügen usw.
Man muss auch die Fähigkeit haben, geliebt zu werden. Ich habe sie offenbar nicht. Ich habe keine Ahnung, wie man das macht und ob man das aktiv machen muss oder ob das von selbst passiert. Nach meiner letzten Erfahrung, hatte ich das Gefühl, es würde von selbst passieren, wenn es denn sein soll. Vielleicht habe ich mir zu leicht gemacht und hätte irgendeinen Zauber anwenden müssen, den ich nie gelernt habe. Sprachen, die wir nicht gelernt haben, kann auch niemand mit uns sprechen.
Mein Schicksal hatte sich kurz verlaufen und war wohl einem Trampelpfad gefolgt in dem Irrglauben, dort ließe sich Liebe finden. Doch dann hat es zurück gefunden auf seinen Weg, weil das eigene Schicksal seine Pfade eben nie verlässt.
19.07.2017 14:44 •
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