Nachklänge
Oder: Immer diese Gedanken.
Mal abgesehen davon, dass ich über Nacht Migräne bekam (so kann man ein Wochenende natürlich auch verbringen), habe ich die Erfahrung gemacht, dass meine (Schlaf-) Träume und die ersten Gedanken beim Aufwachen mich i.d.R. durch den Tag begleiten und sich schwer abschütteln lassen. In diesem Fall verfolgen sie mich also durch einen Tag, an dem ich voraussichtlich meine Verabredung werde absagen müssen und viel Gelegenheit zum Fühlen und Denken habe werde, falls die Migräne es denn dann zulässt.
Ich habe zwar ein paar Nächte nicht mehr von ihm geträumt, träumte dafür sehr lebendig anderen Kram - nicht unbedingt schlechtem. Immerhin weiß ich jetzt, dass mein bester Freund Chacha tanzen kann. Auch verliere ich mich seit Tagen nicht mehr so in Erinnerungen wie all die Wochen davor. Ein weiterer Fortschritt ist, dass ich mir zwar sehr bewusst bin, welche Zeit wir jetzt haben (oder ich haben sollte/wollte), aber dass auch die damit verbundene Traurigkeit sich stärler in Grenzen hält, als ich befürchtet hatte. Das alles sind gute Entwicklungen
Eine weitere gute Entwicklung wollte ich schon lange benannt haben, aber irgendwie passte es nie. Tatsächlich ist auch so etwas wie die körperliche Entgiftung abgeschlossen. Ich war monatelang auf Turkey. Das ist schon länger vorbei. Allerdings habe ich seitdem noch ein Problem damit, angefasst zu werden. Vor Berührungen schrecke ich zurück, weil meine Oberfläche eine offene Wunde zu sein scheint. Aber auch das wird sich wieder geben. ´hoffe ich. Im Moment bin ich halt so ein bisschen Eisprinzessin.
Aber heute Morgen wachte ich nach ein paar Schlaf- und langen Wachphasen mal wieder mit den erdrückenden Gefühlen auf, zutiefst gedemütigt worden zu sein - nicht wegen des großen Ganzen - also des Verlassenwerdens. So etwas passiert, ob es uns nun gefällt oder nicht.
Nein, wie Flashbacks kamen mir ganz detailreich Situationen unseres letzten gemeinsamen Wochenendes und auch der Tage davor in den Sinn, die . ja . einfach in der Rückschau . immer wieder das Gefühl von Demütigung erzeugen und das Gefühl, mich unwissentlich erbärmlich verhalten und angebiedert zu haben. Das war anfangs viel präsenter, aber es hält immer noch an. Diese Situationen sind Vergangenheit, aber diese Gefühle halten an und drängen gelegentlich - wie heute - in den Vordergrund.
Dann - btw - sind die kleinen Rachepläne wieder ganz präsent.
Gibt es Mittel, diese Gefühle zu überwinden? Ich würde gern einen Weg finden, die sprichwörtliche Krone zu richten.
Ich glaube, ich habe ansonsten ein ganz gesundes Selbstbewusstsein. Ich weiß, wer ich bin und was ich kann bzw. dass ich etwas kann (!) und wo ich Defizite habe. Ich kann unterscheiden zwischen den Defiziten, mit denen ich leben kann und will und denen, an den ich arbeite (n will). Ich habe eine klare Vorstellung von Werten und bin bereit, für diese einzutreten. Ich weiß, dass ich liebenswert bin und viel zu geben habe. Hier hapert es vielleicht ein wenig daran, es auch zu fühlen und nicht nur zu wissen, aber das ist ein anderes Thema, das ich hier im Moment nicht explizit beleuchten will (nur um Anregungen in diese Richtung zu diesem Zeitpunkt vorzubeugen). Und - das ist das Wichtigste - ich mag mich.
Aber wie überwindet man das Gefühl, von dem Menschen, dem man am meisten vertraute, gedemütigt worden zu sein. Wie überwindet man diese Kränkung und den Verlust von Vertrauen?
Ich will gar nicht bei ihm auf Spurensuche gehen. Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass sein Verhalten aus Unsicherheit resultierte, aus Angst und Feigheit vor der Konfrontation mit einer verlassenen Frau. Mir. Er hat mir das nicht angetan, weil er bösartig ist oder mich demütigen wollte. Nichts desto trotz hätte ich deutlich mehr von ihm erwartet. Im Grunde hat er mit dem Verhalten den Gesamteindruck, den ich von ihm als dem männlichsten aller Männer, mit denen ich je zusammen war, vollkommen zerschossen. Männlichkeit drückt sich für mich vor allem in Souveränität aus. D.h. nicht, dass ein Mann nicht auch schwach sein darf - ganz im Gegenteil. Aber ich schweife schon wieder ab, das ist gerade gar nicht das Thema.
Also: Trotz meines Selbstbewusstseins sind diese Gefühle da, herabgewürdigt worden zu sein. Wie überwinden?
Hat jemand Literaturtipps? Ich wäre dankbar. Ein erster Check heute morgen ergab vor allem Treffer bei der ero. Literatur. Nach dieser suche ich nun gerade nicht. Später vielleicht Ich möchte auch nicht unbedingt mit der Bewältigung von Kindheitserfahrungen anfangen. Dazu habe ich hier noch genug Lesematerial. Es geht mir eher um die punktuelle Überwindung von Kränkungen.
Hm . beim Schreiben merke ich schon, dass das wohl nichts wird und mich doch auf die Selbstbewusstseinsfrage zurückführt, die ich vielleicht doch noch einmal genauer beleuchten sollten.
Aber wie dem auch sei: Literaturtipps gern an mich. Gern auch per PN, falls gewünscht.
03.06.2017 05:57 •
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