Zwischendurch
dachte ich mal:
Eines Tages, falls Du Dich mich mit aufrichtigem Interesse nach mir erkundigst, falls Du wissen willst, wie es mir geht oder falls Du erkannt hast, dass Du einen Fehler machtest, zeige ich Dir diesen Thread. Du solltest ihn lesen und vielleicht einen Hauch nachempfinden können, wie es mir ergangen ist und durch welche Tiefen ich nach der Trennung ging.
Ich hatte immer noch das absurd anmutende Bedürfnis, mich zu entblättern und mich Dir bis auf den Grund zu zeigen. Das habe ich inzwischen nicht mehr. Inzwischen denke ich, dass es selbst Dir nicht zumutbar ist, das alles zu lesen und auch, dass es Dich nichts angeht, wie verletztbar mich unsere Begegnung und die Trennung gemacht haben.
Allerdings trage ich immer noch dieses unabdingbare Loyalitätsgefühl und -bedürfnis mit mir herum. Das ist verstörend, aber ich habe beschlossen, nicht mehr dagegen zu kämpfen, sondern es als gegeben zu nehmen. Ich richte mich darauf ein, dass es bleibt, denn Du warst der Mann meines Lebens oder doch zumindest der, der mit mir gelebt hat, wie ich mir mein Leben nicht schöner hätte vorstellen können.
Frühere Trennungen waren Peanuts im Vergleich zu dem, was ich jetzt durchlebte und -schritt, und eine gute Schule.
Ich habe von der Eintrittswahrscheinlichkeit, dass Du Dich noch einmal ins Gespräch bringst, realistische Vorstellungen. Das Letzte, was ich von Dir bekam, war das zweite Paket mit dem übrig gebliebenen Kram am 06.02. Danach bist Du, außer in der Zeitung, in Gesprächen, in meinem Gedanken und Schlafträumen, nie wieder in Erscheinung getreten.
Du wirst es auch nicht - jedenfalls nicht absichtlich. Wenn ich mir auch wünsche, dass Du - wie meine Freunde vermuten - längst Deinen Fehler erkannt hast, so hoffe ich, dass ein doch noch wieder gefundener Respekt vor mir der Grund für Dein Schweigen ist.
Doch das sind nur Vermutungen. Es kann genauso gut sein, und ist nicht weniger wahrscheinlich, dass Du keinen Gedanken an mich verschwendest. Das Ergebnis bleibt das Gleiche. Du meldest Dich nicht und wirst es auch nicht. Dafür bin ich dankbar. Ich habe nach der Trennung erkannt, dass Du mir noch so viel mehr bedeutest hast, als ich ohnehin schon wusste.
Ich möchte nicht aus Sehnsucht, Sentimentalität, Verzweiflung, Einsamkeit oder ähnlichen Motiven in die Gefahr geraten, über einen neuen Versuch nachdenken zu müssen. Ich bliebe immer mit Misstrauen bezüglich Deiner Aufrichtigkeit verheiratet und so möchte ich nicht sein. Das bin ich nicht. Ich bin in vielerlei Hinsicht naiv und gutgläubig - trotz allem. Das hat Vor- und Nachteile. Im Zwischenmenschlichen führt es immer wieder zu Enttäuschungen. Und dennoch bin das ich. Ich möchte mir das erhalten. Denn ich hoffe, irgendwann jemanden zu treffen, der genauso tickt. Ich möchte denjenigen nicht verpassen, weil ich mein Herz verschlossen habe und ihn nicht erkennen kann.
Du wirst diesen Thread niemals lesen und das ist gut so.
An dem Dienstag vor 4,5 Monaten, als Du diese merkwürdige Atmosphäre für das kurze Gespräch geschaffen hast, in dem Du Dich von mir trenntest, ging es eigentlich nur um Dein Gewissen und die Nöte, die Du ausgestanden habest. Es schien so, als bestünde meine Rolle in diesem Gespräch darin, Dir Absolution zu erteilen und Mitleid und Verständnis für Deine schwierige Situation zu haben, während gerade meine Welt zusammenbrach.
Zum Abschluss sagtest mir Du mir, ich möge auf mich aufpassen und wünschest mir alles Gute. Ich erwiderte, dass ich das leider nicht zurückgeben könne. Ich war vor den Kopf gestoßen. Ich war von der Unausweichlichkeit Deiner Entscheidung, mich aus Deinem Leben zu werfen, erschlagen. Ich war von der Tatsache, dass Du mich nicht einbezogen hattest in Dein Gefühlschaos und Deinen Entscheidungsfindungsprozess zutiefst verletzt.
Jetzt
Wenn ich jetzt hier sitze und die Tränen laufen wie lange nicht, ist das so, weil ich Dich wieder ein Stück loslasse. Das macht mich froh und traurig zugleich. Ich habe die letzten Tage erkannt, dass ich mit dem jetzigen Abstand in der Lage bin, Dir von Herzen alles Gute zu wünschen.
Ich wünsche Dir von Herzen, dass es Dir gut, dass Du die richtigen Entscheidungen für Dein Leben getroffen hast und treffen wirst. Es ist überhaupt nicht in Worte zu fassen, wie schwer und erleichternd diese Erkenntnis gleichermaßen ist, wie sie mich gleichermaßen belastet und frei macht.
Ich wünsche mir auch, dass Du mich manchmal ein bisschen vermisst. Vor allem hoffe ich, dass Du einen Weg gefunden hast, auf Deine Gesundheit zu achten. Ich wünsche mir, dass unsere Zeit Dir ein bisschen etwas bedeutet hat und ich etwas mehr als ein Sprungbrett war für Dich. Denn Du warst für eine Weile alles, was ich mir im Leben wünschte. Und selbst wenn nicht, so gibt es in Dir viel ein kleines bischen Dankbarkeit für unsere gemeinsame Zeit und dafür, was Du darüber aus Dir machen konntest.
Ich wünsche Dir alles Gute. Pass auf Dich auf!
25.05.2017 10:02 •
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