Hallo liebes Forum,
vor ein paar Tagen erst für einen anderes Thema angemeldet und ich dachte ich bin auf einem guten Weg. Heute hat es mich dann wieder umgehauen, und ich denke es wird mir vielleicht helfen, meine Geschichte zu schreiben.
Da meine Geschichte sehr lang geworden ist, spendiere ich euch vorab schon kühle Getränke. Aperol Sprizz, B. oder lieber eine eiskalte Cola?
Mein Noch-Mann und ich befinden uns im 15. Jahr, acht Jahre verheiratet. Er geht auf Ende 30 zu, ich bin Mitte 30.
Kinder waren immer unser Wunsch, er kam sogar schon viel eher damit um die Ecke als ich. Ich wollte erst einmal geregelte Bahnen, mein Studium beenden und Fuß im Job fassen.
Er hingegen hat nie richtig im Berufsleben Fuß gefasst. Viele Wechsel, lange hielt er es nirgendwo aus und ich habe ihn immer in Schutz genommen. Stattdessen war es mir immer um so wichtiger, dass ich beruflich gut dastehe, damit ich uns und einer Familie ein gutes Leben ermöglichen kann.
Vor vier Jahren, zwei Jahre bastelten wir bereits am Kind, ging es in eine Kinderwunschklinik. Und trotz einer sehr miesen Diagnose auf seiner Seite stand für uns fest wir kämpfen gemeinsam fürs Kind.
2017 erfolgten vier Versuche, einer endete mit einer frühen Fehlgeburt. Ende des Jahres war ich völlig ausgebrannt und mein Mann arbeitslos. Ein richtiges tief, bei ihm wurden Depressionen diagnostiziert und er begann eine Therapie die er ein halbes Jahr später abbrach, weil es ihm wieder gut ginge.
2018 wechselten wir die Klinik, es fand aber kein weiterer Versuch statt, da ich im Job sehr eingespannt war und es nicht gepackt hätte, da die Hormonbehandlungen, Untersuchungen und und und sehr belastend sind.
Im Nachhinein war da schon der Wurm bei uns drin. Ich suchte einige Male das Gespräch, aber mein Mann sagte das läge an seiner Jobproblematik und dass er einfach nicht wisse in welchem Bereich er auf Dauer arbeiten möchte. Ich gab ihm alle Zeit bei der Suche, war es doch immer schon unser Plan dass er derjenige sein wird der großteils bei den Kindern zuhause sein wird. Ich stürzte mich noch mehr in den Job, wurde in eine leitende Position befördert. Er stürzte sich ins Instagramleben, bekam da endlich die Bestätigung für sein Hobby (Fotografie), die er sich so wünschte.
Und dann kam 2019. Wir starteten einen weiteren Versuch in der Klinik. Die Hoffnung das es klappte war sehr gering.
Und doch hatten wir Glück. Endlich positiv und es sah gut aus. Ich freute mich riesig, mein Mann jedoch nur verhalten. Ich dachte es muss erst einmal bei ihm ankommen, bekam aber mehr und mehr das Gefühl dass er emotional nicht anwesend ist. Er war kühl und ich spürte keine Nähe mehr. Wenn ich es ansprach wurde es abgestritten. Sein Handy war Nummer 1, bimmelte in einer Tour und wurde plötzlich überall mit hingenommen. Schlief unter seinem Kopfkissen. Als ich in der 9. Woche war ließ es mir keine Ruhe mehr und ich schaute rein.
Es flog eine emotionale Affäre auf. Eine Frau aus einem Land weit weg, seine Seelenpaartnerin, sie würde ihn verstehen, seine Gedanken teilen. Sie wurde morgens als erste begrüßt und abends als letztes verabschiedet. Sogar Bilder hatte er von ihr gespeichert. Wie konnte ich dass nicht gemerkt haben?
Ich sprach ihn darauf an. Wollte nach Lösungen suchen. Aber er war gar nicht bereit dazu. Er wäre sich seiner Gefühle zu mir nicht mehr sicher, würde sich nicht auf das Kind freuen. Hatte gedacht es klappt eh nicht mehr. Hatte schon Pläne ohne Kind gestrickt.
Ich hoffte immer noch dass wir es hinkriegen, wollte kämpfen, an unseren Problemen arbeiten und war gleichzeitig unendlich verletzt. Da hatte es endlich geklappt und er freute sich null aufs Kind.
Den Kontakt mit der Frau wollte er nicht abbrechen, wollte alles. Hier bleiben und abwarten. Da ich nach drei Wochen nicht mehr konnte, bat ich ihn auszuziehen. Ich hatte die Hoffnung dass es so bei ihm klick macht was er alles verliert.
Stattdessen kündigte er den Job, den er seit kurzem wieder hatte, packte sein Auto und fuhr los. Landete 300 km von hier.
Und ich saß hier schwangerund mit unserem Hund. Im Nachhinein habe ich in der Zeit nur noch funktioniert, bin sogar ganz normal arbeiten gegangen.
Nach knapp 4 Wochen meldete er sich weinend, es wäre alles ein riesen Fehler gewesen. Er wolle zurück.
Ich stimmte zu, hatte aber drei Bedingungen. Das wir eine Paartherapie machen, offen darüber sind was in der Zwischenzeit gelaufen ist (Dates von seiner Seite etc. ) und er seinen Job, den er sich an seinem neuen Wohnort gesucht hatte, sauber abschließt. Er blieb also noch weitere 8 Wochen dort. Kam aber an einigen Wochenenden und die waren sehr schön.
Er kam also zurück und fand zügig einen Job, der ihm so gut gefällt dass er ihn derzeit auch noch ausübt und das heißt was. Wir renovierten das Kinderzimmer und entrümpelten. Für eine Paartherapie war laut ihm keine Zeit und ich ließ mich abwiegeln.
Gedatet hatte er übrigens laut ihm in den drei Monaten wo er weg war nicht.
Eine Woche vor der Geburt unseres Kindes wollte ich etwas am Rechner drucken und sein Spamordner war offen. Ich sah Mails einer Singlebörse. Wir redeten darüber, ich war mal wieder sehr geschockt und verletzt und er sagte dass hätte alles nix zu bedeuten gehabt, er wollte dort nur Kontakte knüpfen. Er hätte Angst gehabt, dass ich ihn dann nicht mehr will. Im Nachhinein war ich ganz schön leichtgläubig.
Sein Handy war übrigens seit seiner Rückkehr Alcatraz.
Unsere Tochter kam zur Welt. Und ja die Zeit mit so einem Wurm ist erst einmal hart, aber auch wunderschön. Mein Mann musste viel arbeiten (Weihnachtsgeschaft) und ich probierte es ihm so gut es geht den Rücken freizuhalten.
Ich spürte aber auch wieder wie er sich distanziert, was er auf mein Nachfragen verneinte. Ich würde mir das einbilden. Wenn ich in den Raum kam verschwand sein Handy in der Hosentasche, was er abstritt.
Eines Abends schlief unsere Kleine so gut und wurde nicht wach als ich den Raum verließ. Ich ging ins Wohnzimmer, hoffte auf einen guten Abend mit meinem Mann. Dass wir reden können und uns wieder näher kommen.
Beim Eintritt hatte ich Blick auf seinen Bildschirm und er schrieb mit Eichhörnchen. Mir hat es den Boden weggerissen. Auch wenn Eichhörnchen laut ihm nur eine gute Freundin wäre.
Neben Eichhörnchen wurden aber zig andere Frauen via Insta angeflirtet. Mit einer sogar S. betrieben und es gab neben WhatsApp einen weiteren Messenger über den er mit einer aus der Zeit unserer Trennung kommuniziert hat. Auch nur eine gute Freundin.
Ich habe meinen Mann nicht mehr erkannt. Laut ihm wäre das alles nicht schlimm und ich grundlos eifersüchtig.
Nach einigen Gesprächen kam aber wieder raus, dass er sich seiner Gefühle nicht mehr sicher sei, nicht wisse ob er mich noch genug liebt. Ihm würde etwas fehlen. Die Flirterei mache ihm halt Spaß und und und. Familie hingegen sei langweilig. Das saß.
Ich machte einen Termin bei der Lebenshilfe. In erster Linie für mich. Er kam mit.
Nach dem ersten Termin hatte ich sogar noch Hoffnung, hätte immer noch alle Energie in die Beziehung gesteckt. Trotzdem krachte es in einer Tour. Er chattete ohne Rücksicht weiter. Fuhr seine Außenbeziehungen nicht zurück. Während ich mir ein Wochende Auszeit nahm, meldete er sich in einer Singlebörse an und fragte Professionelle sogar nach ihrem Stundensatz. Total krank.
Beim zweiten Termin mit der Lebenshilfe sagte er dass er die Beziehung momentan nicht mehr wolle. Er hätte sich verändert, wolle dieses Leben eigentlich nicht. Aber weiterhin bei uns wohnen wäre sein Wunsch. Also im Prinzip eine offene Ehe?
Er hatte nicht den A. . in der Hose es richtig zu beenden. Und so sprach ich es aus und das obwohl ich keine Trennung wollte. Ich sagte dass ich so nicht mehr kann und das er bitte schnellstmöglich ausziehen soll.
Inzwischen wohnen wir die fünfte Woche getrennt. Mein Umfeld wie auch mein Arbeitgeber wissen Bescheid. Ich plane wie ich alles unter einen Hut kriege, Tochter, Hund und Job. Meine Familie wohnt weiter weg. Eigentlich wäre mein Noch-Mann ab Sommer in Elternzeit gegangen und ich wieder arbeiten. Aber das hat sich erledigt. Inzwischen freue ich mich auf diese Bonus-Zeit.
Die Therapeutin begleitet mich weiterhin und mein Noch-Mann kommt dreimal die Woche unsere Tochter besuchen. Diese drei Termine sind hart, aber ich möchte einem guten Verhältnis zwischen Papa und Tochter nicht im Weg stehen.
Ich wanke zwischen Energie, Erleichterung, Trauer, Enttäuschung, Wut, Ungläubigkeit.
Und immer diese große Frage nach dem Warum.
Heute hat es mich wieder sehr runtergezogen. Ich habe den Fehler gemacht und geschaut wem er so folgt und es sind zig Frauen, die eindeutig irgendwelchen Datingportalen entspringen und aus einem Umkreis von 50 km kommen.
Warum kreise ich plötzlich wieder so um ihn? Das sollte mich einfach nicht mehr interessieren.
Stattdessen sollte ich mich mir widmen.
Mein Selbstvertrauen ist echt hinüber. Tipps?
Wie findet man nach so etwas wieder zu sich?
Vielleicht ist es dem ein oder anderem mit kleinen Kind auch so ergangen?
Und wer es bis hier hin geschafft hat zu lesen. Hut ab. Kürzer fassen hat nicht geklappt.
Alles Liebe
Ovis
24.04.2020 18:40 •
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