Hallo @binverzweifelt,
Ich kann dir sagen, dass ich genau weiß wie du dich fühlst. Ich (26) und meine Ex-Freundin (20) sind in einer ähnlichen Situation. Ich werde etwas ausholen. Damals bin ich am Ende meiner ersten langjährigen Beziehung (von 16-23) verletzt worden und war danach in einem Loch, aus dem ich mich rausgekämpft habe. Ich habe in dieser Zeit sehr viel an mir gearbeitet und viel über die Dynamiken zwischen Mann und Frau, Anziehung und Beziehungen gelernt. Ich habe mich in dieser Zeit sehr stark gewandelt und du solltest so eine Zeit auch als Chance sehen, richtig an dir zu arbeiten und zu reflektieren. Ich hatte dann auch irgendwann ein genaues Bild davon, wie ich in meiner nächsten Beziehung sein will und wie ich mich verhalten will, damit diese (nach meinem damaligen Kenntnisstand) so lange wie möglich hält. Ich wollte durch meine neue starke geistige Haltung die feminine Ader der Frau zum Aufblühen erwecken, damit wir uns so gut wie möglich ausgleichen.
Ich habe dann irgendwann meine jetzige Ex-Freundin kennengelernt. Sie war eine Person mit sehr vielen Blockaden und Mauern um ihr Herz (sie hatte in ihrer Kindheit ein Trauma, welches dann auch psychologisch behandelt werden musste), aber mit der Zeit habe ich festgestellt, dass es sich lohnen wird, diese Mauern einzureißen, so dass der sich dort verborgene Schatz frei entfalten kann. Die Mauern haben sich immer mehr und mehr abgetragen und wir sind irgendwann zusammengekommen und ich wurde ihr erster Freund. Ich hatte mit meiner Vermutung recht und die Schätze in ihrem Inneren waren die ganzen Mühen wert. Sie war immer sehr gut zu mir. Durch die psychologischen Schäden ihrer Vergangenheit war sie aber auch teilweise sehr schwer zu handhaben. Sie hat öfters ein Drama aus ganz kleinen Dingen gemacht und riesige Diskussionen angefangen. Mein Ansatz war, dem Drama gar keine großartige Luft zu geben, damit es von alleine vergeht, wenn die Emotionen des Momentes verfolgen sind und beide einen klaren Blick auf die Situation haben. Leider habe ich mich dann so auf diese Vorgehensweise verfestigt, dass ich in fast jeder Situation so reagiert habe, als sie auf mich zukam und mit mir sprechen wollte.
In den Situationen in denen es darauf ankam, war ich also nicht für Sie da. Ich konnte nichtmehr unterscheiden zwischen Drama und echten Problemen und Ängsten. Und jetzt im nachhinein verstehe ich warum sie die Beziehung beendet hat. Sie hat immer wieder versucht mitzuteilen, was ihre Probleme sind, aber hat kein wirkliches Gehör bei mir gefunden. Und hat sich so wieder nach und nach verschlossen und distanziert. Und ich kann es voll und ganz verstehen. Als Mann musst du in den Situationen auf die es ankommt der Fels in wilder Brandung sein und ein sicherer Ort an dem die Frau Gehör finden kann. Man darf nicht nur der coole, starke, dominante Typ sein, den nichts juckt. Das finden Frauen zwar gut, aber man braucht BALANCE. Und die hatte ich nicht.
Diese Woche zieht meine Ex-Freundin aus und ich finde es unglaublich schade, dass ich erst ein Brett vor den Kopf gebraucht habe um zu sehen was ich hätte besser machen müssen und auch was für ein toller Mensch sie ist und war. Aber ich akzeptiere ihre Entscheidung weil es für diese Erkentnisse für unsere Beziehung zu spät ist.
Es tut mir sehr leid für sie weil sie jetzt wieder ihre Mauern aufgebaut hat (vielleicht höher als zuvor)
Mir geht es also ähnlich wie dir, ich würde am liebsten mit meinen jetzigen Kenntnissen ein paar Monate in die Vergangenheit reisen und der Partner für meine Ex-Freundin sein, den sie verdient hat. Das geht jedoch nicht.
Also lass dir Zeit und verarbeite alles und arbeite dann an dir. Man lernt nie aus und entwickelt sich stetig weiter.
Manchmal braucht man leider ein richtiges Brett vor den Kopf, um zu lernen und um zu sehen, was man hatte.
29.03.2022 07:41 •
x 2 #62