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Die Balance zwischen Empathie und Verantwortung

Doing
Ich habe hier im Forum einige Threads verfolgt, die nach einem wiederkehrenden Muster ablaufen:
TE: „Meine Beziehung ist kaputt, ich hab alles verkackt.“
Antworten:
A: „Sag das nicht, du bist perfekt!“
B: „Du machst alles richtig, die anderen sind schuld!“
C: „Hör auf, dich selbst zu verurteilen, du bist wunderbar!“
D: „Es ist okay, dich nicht zu verurteilen, aber bei XY könntest du vielleicht reflektieren und etwas ändern.“

Was oft passiert:
A, B, C fallen über D her: „Wie kannst du es wagen, Kritik zu äußern? Das ist nicht hilfreich!“
Und ab hier entsteht eine Dynamik, in der der TE fast ausschließlich Bestätigung erhält – ohne die Möglichkeit, sich wirklich weiterzuentwickeln.
Diese Gruppendynamik kann dazu führen, dass der TE sich irgendwann selbst einredet: „Ich mache alles richtig, andere sind schuld.“ Doch in der Realität bleibt das Problem bestehen, und die Frustration wächst. Das ist der Nährboden für eine Opferrolle: „Ich bin perfekt, aber alles um mich herum funktioniert nicht, wegen der anderen.“
Warum fördern manche diese Dynamik?
Es wirkt oft nicht wie echte Hilfe, sondern wie eine Art Selbstschutz der Antwortenden:
- Angst, sich mit den eigenen Fehlern auseinanderzusetzen.
- Bedürfnis nach Bestätigung der eigenen Sichtweise.
- Der Wunsch, lieber gemeinsam Opfer zu sein, als Verantwortung zu übernehmen.

Ich finde, es ist wichtig, dass wir uns fragen:
Helfen wir wirklich, wenn wir ausschließlich loben und alle Kritik ersticken? Oder nehmen wir der betroffenen Person die Chance, etwas zu verändern und aus der Situation herauszuwachsen?

15.01.2025 09:55 • x 14 #1


Laetitia2024
@Doing
Ich finde deine Sichtweise ganz richtig und bemühe mich hier, so objektiv wie möglich zu antworten, halte auch Kritik manchmal für angebracht. Wir lesen hier sowieso nur einen kleinen Ausschnitt des tatsächlichen Geschehens und jeder antwortet seinem eigenen Erfahrungswert entsprechend.

15.01.2025 10:00 • x 4 #2


A


Die Balance zwischen Empathie und Verantwortung

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Luto
Zitat von Doing:
einige Threads verfolgt, die nach einem wiederkehrenden Muster ablaufen:

das waren dann aber merkwürdige Threads, von den tausenden, wo ich mitlas, war Dein Muster eher nicht zu finden, eher im Gegenteil ...

15.01.2025 10:01 • x 7 #3


Cagy
Hallo Doing,
viele User hier und die Thematik des Forums ansich bringen es mit sich, daß der/die TE der (Be)-getroffene ist und nicht der *Böse* den man kritisieren mag.
Dazu kommt das eben jeder hier (berechtigterweise) seine eigene Meinung, aus eigener Erfahrung und dem Gelesenen hier , schreibt.
Das hier * alle Kritik erstickt wird *.. habe ich bisher nicht so empfunden und das mit der Verantwortung.....
Das hier ist ein öffentliches Forum und keine medizinische Beratungsstelle wo unfehlbare Diagnosen getroffen werden und dafür jmd. die *Verantwortung* übernehmen muss...
Jeder User kann aus den Antworten mitnehmen was er mag --- oder eben auch nicht.
Alles Gute dir.

15.01.2025 10:28 • x 2 #4


E
Ich kann deine Beobachtung bestätigen, auch ich habe öfters an ähnlichem gedacht. Nur ist es leider eine Tatsache, dass die Erfahrungen und die Persönlichkeit des Helfers kaum unbeteiligt bleiben können. Die Art, wie wir die Welt verstehen ist stark geprägt von der Brille, die wir tragen. Wahrnehmung ist subjektiv. Immer.

Ich denke nicht, dass irgendjemand Böses will, man gibt stets das, was man hat. Ist man reflektiert und gewöhnt, eine Situation aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, tut man das auch hier. Ist man generell geprägt von Vorurteilen, äußert man sie auch hier. Ganz zu schweigen von negativen Erfahrungen, die man gemacht hat. Die können zu skurrile Rückschlüsse führen und entsprechende Äußerungen in den Threads.

15.01.2025 10:29 • x 5 #5


Wulf
@Doing sobald A, B, C und D im Thema auftauchen ist es meist gegessen. Das Thema ist entartet und wird von den Personen komplett zerredet. Leider mehrmals erlebt.

Die Dauerlobhudelei ist ebenfalls unsinnig, da sollte auch sachliche/konstruktive Kritik erlaubt sein.
Aber in manchen Themen gehen sich A bis D regelrecht an.

15.01.2025 10:47 • x 2 #6


Hermine47
Also ich hab die Erfahrung mit meinen Themen hier nicht gemacht,
ich wurde sehr wohl und sehr tiefgründig nach meinen Anteilen gefragt und auf sie gestossen.
Fand ich gut richtig !

15.01.2025 11:01 • x 5 #7


PsychoMantis
Kann ich so nicht nachvollziehen deinen Beitrag. Ich, so wie auch viele andere die ich hier lese weisen immer auf den Eigenanteil hin und darauf, das man selbst dafür verantwortlich ist was man zulässt und warum.
In den letzten Jahren hat sich diese gesunde und reflektierte Denkweise hier weit verbreitet. Natürlich ist es wichtig so ein Verständnis erstmal entwickeln und können und nicht jeder zarte TE kann damit umgehen, aber ich habe es hier in den Themen in denen ich unterwegs bin selten erlebt das ein TE als perfekt und unfehlbar hingestellt wird.

15.01.2025 11:04 • x 8 #8


W
Da gibt es,
a) diejenigen die sich getrennt haben
und
b) jene die verlassen wurden.
Während die Einen sich mitunter befreit fühlen, weil sie den Schritt gegangen sind, gibt es die Anderen denen es erst mal den Biden unter den Füßen wegzieht.
Sie fühlen sich im freien Fall, finden keinen Halt.
Meist sind es die Verlassenen die hier dann aufschlagen, jedoch sind beide Gruppen hier anzutreffen.
Die sich aktiv getrennt haben sind meist nicht erst morgens unter der Dusche zu diesem Entschluss gekommenen, mitunter waren für diese Entscheidung auch andere Personen maßgeblich, neue potentielle Partner beispielsweise.
Eine Wertung hier hierüber bleibt Jedem selbst überlassen.
Der/die Trennende sucht mitunter nach Beistand für seine Entscheidung.

15.01.2025 15:48 • x 2 #9


Doing
Die Rückmeldungen hier sind wirklich interessant und vielseitig.

16.01.2025 08:53 • x 1 #10


FrauDrachin
Zitat von Doing:
A, B, C fallen über D her: „Wie kannst du es wagen, Kritik zu äußern? Das ist nicht hilfreich!“

Meiner Meinung nach vermischt du da einige Sachen und stellst kausale Zusammenhänge her, wo nicht unbedingt welche sind.
1. Jedes Thema, wo User übereinander, oder schlimmer, über einen User herfallen, und anfangen, mehr untereinander zu diskutieren als mit TEs zu reden, führt sich ad absurdum, bzw. ist tot.
2. Die Meinungen was für TEs hilfreich ist und was nicht gehen auseinander. Das ist völlig ok. Das ist nicht an anderen Usern zu entscheiden, es sei denn es wird gegen Forenregeln verstoßen.
3. Habe ich diese Dynamik eigentlich nie so wahrgenommen, magst du konkrete Beispiele nennen?
4. Ob sich beim TE dann die Meinung einstellt, er sei perfekt und müsse sich den Rest seines Lebens nicht mehr hinterfragen, sei mal sehr dahingestellt. Wie will man das evaluieren? Gibt es einen Fall, wo es nachweislich diese Auswirkung hatte?
5. Die Aussage Beziehung verkackt, alles falsch gemacht kommt nach meiner Beobachtung eher selten von den Leuten, die ihr Verhalten grundsätzlich in Frage stellen sollten. Sondern eher von Leuten, die Schwierigkeiten haben, zu sich selber und ihren Befürfnissen zu stehen, sich zu sehr hinterfragen.
6. Im Stadium der Selbstzerfleischung wird niemand in der Lage sein, effektiv und sinnvoll zu bewerten und zu lernen. Das geht viel besser von einem Standpunkt aus: ich bin grundsätzlich in Ordnung, ich habe aus Gründen Dinge getan, die nicht so sinnvoll waren, was waren die Gründe, und wie kann ich das Problem nächstes mal sinnvoller adressieren? Insofern bin ich persönlich fest davon überzeugt, dass Den Rücken stärken überhaupt erst die Voraussetzungen für effektives Lernen schaffen, und keinesfalls effektives Lernen verhindern.

16.01.2025 14:48 • x 6 #11


W
@Doing
So ganz kann ich Dir nicht zustimmen aber ich glaube zu verstehen was Du meinst.
Habe das in einem anderen Thread gerade mitgekriegt wie da eine Userin einstecken musste, teilweise auf unverschämte Art und Weise.
Sie hat sich aber nicht auf das Niveau runterziehen lassen also gut reagiert.

16.01.2025 15:40 • x 2 #12


DieSeherin
mir geht es ähnlich, wie auch den anderen. ein wirkliches muster erkenne ich nicht, wohl aber weiß ich, dass es ganz bestimmte nutzer*innen gibt, die entweder nur (gut gemeint) draufhauen, oder (gut gemeint) nur umarmen.

für mich persönlich kommt es immer sehr darauf an, in welcher phase sich der-/diejenige gerade befindet. ist es die schockphase nach einer noch ganz frischen trennung? ist es ein einfach mal nur ausrotzen? geht der-/diejenige auf beiträge und fragen ein?...

mit anregungen zur selbstrefelxion warte ich meist ab, bis ich einschätzen kann, wo die fragende person steht und wie stabil sie gerade ist. und manchmal hilft auch erst mal (!) eine runde umarmen und mitgefühl mehr, als gleich mit dem finger in die wunde zu gehen.

16.01.2025 16:01 • x 5 #13


B
Ich empfinde es gegenteilig.
Wird einmal richtige Kritik angestoßen, die hin und wieder doch recht harsch formuliert ist, dann stürzen sich fünf weitere auf den gleichen Punkt.
In meinen Augen kriegen die TEs hier oft ganz schöne Denkanstöße, weniger „Du hast alles richtig gemacht“.

16.01.2025 17:17 • x 4 #14


Ayaka
also wenn, sind wir eher zu wenig empathisch in einigen Thread als zu wenig kritisch

selten wird Kritik so formuliert wie in deinem Beispiel oben - und wenn es eine hingerotzte Attacke ist kann es gut sein, und ist nachvollziehbar, dass sich die anderen hinter den/die TE stellen, selbst wenn ein Körnchen Wahrheit drin steckt.

Einer Frau, die mit zwei Kleinkindern vor den Trümmern ihres Lebens steht Manöverkritik zu wertschätzender Kommunikation mit ihrem Partner zu geben ist halt irgendwie nicht falsch aber sinnlos - dann kommen natürlich auch Konter von den Foristen, die sie mal wieder auf die Beine bringen möchten. Ich habe mir auch meinen Teil gedacht aber nichts geschrieben, weil ich diese Seitendiskussionen so sinnlos finde.

Das ist das einzige Beispiel, dass mit einfällt und das war ja auch ein Post von dir.

Wenn dir Kritik am Herzen liegt bring sie doch an, wenn sich ein paar darüber aufregen - so be it - am Ende zählt was die Threadersteller mitnehmen und nicht was hier irgendwer dazu sagt. Wenn es ein guter Punkt ist bin ich guter Hoffnung, dass er auch aufgenommen wird. Wenn die Threadersteller eigentlich nur gestreichelt werden wollen kann man das machen oder sein lassen, da dringt dann eh nix durch.

sonst versuche ich immer, so gut es geht, direkt mit den Threaderstellern und nicht mit den anderen Foristen zu diskutieren. Wenn dann nehme ich eher nur gute Punkte auf und unterstreiche das Gesagte noch mal.

16.01.2025 17:59 • x 3 #15


A


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