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Bin ich schon mitten drin im Loslassen?

H
Zitat von scallisia:
Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn wirklich geliebt habe. Ich denke eher, dass ich mich emotional von ihm abhängig gemacht habe. Das würde zumindest mein auf der Stelle treten und dieses emotionale Blockiertsein erklären. Er war meine Sicherheit. Ich hätte nie gedacht, dass er mich verlassen und dann gleich etwas neues beginnen würde. Ich hätte immer gedacht, ich wäre die Unabhängigere von uns beiden und wenn einer irgendwann gehen sollte, dann wäre ich das. Da ich aber nie gehen wollte und wohl auch nie gegangen wäre, sitzt der Schock, dass er diese Entscheidungen getroffen hat, sehr tief.


Liebe scallisia,

Trennungen und Abschiede sind wohl die bittersten sowie schmerzhaftesten Wahrheiten bzw. Erfahrungen, die uns wirklich zutiefst treffen. Aber wir müssen es dennoch akzeptieren, dass Menschen in unser Leben kommen und auch wieder aus unserem Leben gehen werden. Nur wenn wir diese Tatsachen erkennen und annehmen, können wir unsere Trauer über den Verlust eines Menschen oder über der Verlust einer Beziehung irgendwann wirklich bewältigen.

Natürlich lesen sich all diese Worte sehr einfach geschrieben, aber ich weiß natürlich selber, dass viele Gedanken und Emotionen diesen Prozess erschweren, zumal niemand das Unterbewusstsein überlisten kann (Träume, Kopfkino usw.). Auch wenn manche Menschen gehen, so bleiben letztendlich ja trotzdem immer sehr viele Erinnerungen.

Es gibt Dinge auf dieser Welt, die wir niemals ändern oder verhindern können und die wir aus diesem Grund einfach so akzeptieren müssen. Klingt ebenfalls relativ einfach, aber das ist ein Prozess, der in der Realität sehr schwierig und mit sehr viel Arbeit verbunden ist. Akzeptieren und Loslassen sind halt nicht nur einfache und lockere Worte, sondern es sind Eigenschaften bzw. Fähigkeiten, die wir uns im Laufe unseres Lebens erst aneignen müssen, um unser Leben trotz allem zum Positiven verändern zu können.

Viele Menschen verbauen sich ihr Glück, weil sie ihre Vergangenheit nicht loslassen können und es nicht wirklich schaffen, all die schmerzhaften und negativen Geschehnisse sowie Erfahrungen zu verarbeiten oder diese wirklich zu akzeptieren. Aber denke daran, wer sein eigenes Glück und seine Zufriedenheit von anderen Menschen abhängig macht, der hat bereits verloren. Also wer nicht nach vorne blickt und noch immer in seiner Vergangenheit weiterlebt, der wird unzufrieden und unglücklich bleiben. Niemand kann die Zeit zurückdrehen und auch ein hätte, wenn und aber bringt da niemanden wirklich weiter.

Wie auch immer, eine Tatsache bleibt, dass eigentlich jedes Problem für uns Menschen ein lästiges Übel ist, welches wir natürlich gerne vermeiden wollen. Aber Probleme wird es in unserem Leben immer geben und nicht nur bei Beziehungen.

Wenn wir all unsere Probleme nicht nur als Probleme, sondern vielleicht auch als Herausforderungen betrachten, dann können wir sogar daran wachsen und noch stärker werden.

PS

Übrigens vertrete ich die persönliche Meinung, dass eine Trennung nach einem Jahr genau so schmerzhaft sein kann, wie eine Trennung nach 25 Jahren.


VG Holzer

15.01.2018 13:56 • x 3 #391


scallisia
Zitat von Holzer60:
Viele Menschen verbauen sich ihr Glück, weil sie ihre Vergangenheit nicht loslassen können und es nicht wirklich schaffen, all die schmerzhaften und negativen Geschehnisse sowie Erfahrungen zu verarbeiten oder diese wirklich zu akzeptieren. Aber denke daran, wer sein eigenes Glück und seine Zufriedenheit von anderen Menschen abhängig macht, der hat bereits verloren. Also wer nicht nach vorne blickt und noch immer in seiner Vergangenheit weiterlebt, der wird unzufrieden und unglücklich bleiben. Niemand kann die Zeit zurückdrehen und auch ein hätte, wenn und aber bringt da niemanden wirklich weiter.


Und genau DAS ist derzeit mein Thema. Daran muss ich dringend arbeiten.

15.01.2018 18:54 • x 1 #392


A


Bin ich schon mitten drin im Loslassen?

x 3


scallisia
Die letzten 6 Wochen waren die pure Hölle (mit 3 guten Tagen zwischendrin). Die Gewissheit, dass der Ex bereits nach 3 Monaten wieder eine neue hat, hat mich in ein gefühlt bodenloses Loch fallen lassen. Auch die Nachricht der Kinder, dass nun in der letzten Ferienwoche die große Familienzusammenführung stattfand (sie hat 2 Kinder), ließ mich noch weiter fallen. Er meint es also wirklich ernst. Nun gut. Da muss ich durch. Damit war ja auch irgendwann zu rechnen. Für mich leider noch zu früh. Ich war gerade auf dem Weg nach oben, dann ging es wieder steil bergab. sch. Zeitpunkt eben.

Seit vorgestern geht es mir aber ganz gut. Er schwirrt noch in meinem Kopf. Es tut auch noch weh, aber die Tage waren nicht voller Gedanken an ihn und wenn, dann war der Schmerz eher untergründig. Ich habe mich in den letzten Tagen viel mit mir beschäftigt. Das Thema verzeihen, mir zu verzeihen, spielte da die wesentliche Rolle. Ich habe mich auch immer wieder hinterfragt. Was will ich, was will ich nicht? Wer bin ich eigentlich? Was muss ich mir verzeihen? Was kann ich so annehmen?
Ich kann mich so annehmen. Ich bin so wie ich bin. Großartig ändern wird sich da nichts, aber vielleicht kann ich besser mit mir umgehen? In den letzten zwei Tagen habe ich es endlich mal geschafft den Blick auf mich zu richten. Mich fast ausschließlich mit mir zu beschäftigen und das tut gut. Ich bin nicht, wie die Morgende sonst, mit dieser inneren Unruhe aufgewacht und habe gleich angefangen zu heulen. Nein, die letzten drei Morgende hatte ich eine leichte Wehmut. Unverständnis auch noch wie er einfach so weitermachen kann. Aber ich habe versucht, es für mich abzuhaken. Es geht mich nichts an. Ich möchte mich jetzt um mich kümmern.
Ich gehe immer sehr hart mit mir ins Gericht. Ich weiß woher das rührt und da möchte ich gerne ran. Ich habe für jeden Verständnis, nur nicht für mich. Das ändere ich jetzt. Anstatt mit mir zu schimpfen, werde ich mich jetzt trösten. Ja, es dauert. Und ja, ich habe keine Lust und keine Kraft mehr um mich zu kämpfen. Aber wenn ich jetzt aufgebe, habe ich bereits verloren. Und das ist es einfach nicht wert. Ich möchte wieder leben. Nein, nicht einfach nur leben. Ich möchte endlich mal richtig glücklich sein, mit mir im Reinen. Das war ich noch nie. Ich möchte mehr auf mein Innerstes hören und dem folgen. Ich muss auch mal NEIN sagen, wenn ich etwas eigentlich gar nicht möchte. Ich muss aufhören, jedem helfen zu wollen. Das kann ich eh nicht. Beim Ex war ich so überheblich zu glauben, dass ich ihn aus seinen Seelentiefs befreien konnte. Für den Moment sicher, aber nicht langfristig. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Das habe ich nun erkannt. Und ich werde die Verantwortung für mich übernehmen. Man, ich bin gerade mal 40! Da muss doch noch etwas kommen!
Auch wenn ich weiß, dass solche Tage, wie die letzten beiden, zur Zeit noch eher rar sind, hoffe ich, dass ich mich beim nächsten Tief daran erinnere. Dass ich mich daran erinnere, dass es gute Tage gibt, wie diese sich angefühlt haben und dass mit der Zeit die Mehrzahl der Tage gut sein werden. Ich hoffe, dass ich dann die schlechten Tage besser für mich annehmen kann.

18.01.2018 09:13 • x 5 #393


Sunna
@scallisia
Ich stelle immer wieder Ähnlichkeiten fest. Von der Art und Weise des Verlassens - gut, bei mir wurde eben schon vorher nach Ersatz gesucht - bis hin zu den Problemen der Bewältigung.

Im Moment beschäftigt mich die Frage, wie lange es dauert, bis man verzeihen kann. Geht das wirklich? Also nicht mir, sondern ihm? Bei der Vorgeschichte?
Mit mir bin ich soweit im Reinen. Ich kümmere mich viel um mich, höre auf meinen Bauch. Ich denke weniger an ihn, mehr an mich und meine Tochter.

Derzeit befinde ich mich noch in der Phase der Verachtung (Trennung nun 4,5 Monate her). Seinen Namen weigere ich mich auszusprechen, er ist bei mir nur der Vater von.

Ich weiß, dass ich nur wieder ganz glücklich werden kann, wenn ich verzeihe.
Aber wie schon erwähnt ist DAS mein großes Problem.

@all:
Habt Ihr damit Erfahrung gesammelt?
Habt Ihr Tipps?

Ich meditiere und belese mich viel. Mein Geist versteht, was von mir verlangt wird, mein Herz zeigt mir nen Vogel!

18.01.2018 11:09 • x 1 #394


V
Zitat von Sunna:
Habt Ihr Tipps?

Ich meditiere und belese mich viel. Mein Geist versteht, was von mir verlangt wird, mein Herz zeigt mir nen Vogel!


Meine Erfahrung: Genau so + Zeit, Zeit, Zeit, Zeit, ach und natürlich Akzeptanz dafür, dass es Zeit braucht

18.01.2018 11:16 • x 3 #395


E
Zitat von vollhorst:

Meine Erfahrung: Genau so + Zeit, Zeit, Zeit, Zeit, ach und natürlich Akzeptanz dafür, dass es Zeit braucht




@Sunna Schön dass du viel meditierst .

18.01.2018 11:18 • x 1 #396


scallisia
Zitat von Sunna:
Im Moment beschäftigt mich die Frage, wie lange es dauert, bis man verzeihen kann. Geht das wirklich? Also nicht mir, sondern ihm?


Ich denke, da bist du schon einen Schritt zu weit. Ich beschäftige mich gerade damit (und das ausschließlich) mir zu verzeihen. Und ich glaube, dass ich ihm ganz automatisch verzeihen werde/kann, wenn ich mit mir im Reinen bin. Vorher nicht. Das wäre wahrscheinlich vergebene Mühe.

Zitat von Sunna:
Derzeit befinde ich mich noch in der Phase der Verachtung (Trennung nun 4,5 Monate her). Seinen Namen weigere ich mich auszusprechen, er ist bei mir nur der Vater von.


Ich habe den Ex in der ersten Zeit auch nur als Vater meiner Kinder bezeichnet. Ein mein für mein Noch-Ehemann, mein zukünftiger Ex-Mann oder mein Ex kam und kommt immer noch übernicht für mich in Betracht. Er war mein Mann. Ja, das ist er aber jetzt nicht mehr (nur noch auf dem Papier). Ein mein impliziert für mich irgendwie, dass er noch Teil meines Lebens ist. Das ist er nicht mehr und deshalb ist er jetzt nur der Ex.

Zitat von Sunna:
Ich weiß, dass ich nur wieder ganz glücklich werden kann, wenn ich verzeihe.
Aber wie schon erwähnt ist DAS mein großes Problem.


Und ich glaube, dass du nur glücklich werden kannst, wenn du dir verzeihen kannst. Es ist für dich nicht wichtig, ob du ihm verzeihen kannst. Wie gesagt, ich glaube, das kommt irgendwann ganz von allein. Und wenn nicht, dann ist das eben so.

18.01.2018 11:38 • x 3 #397


Sunna
Zitat von vollhorst:


Meine Erfahrung: Genau so + Zeit, Zeit, Zeit, Zeit, ach und natürlich Akzeptanz dafür, dass es Zeit braucht


Ich habe es fast befürchtet

18.01.2018 11:58 • #398


scallisia
Und das mit der Aktzeptanz ist auch so eine Sache....

18.01.2018 11:59 • #399


Sunna
Zitat von scallisia:

Und ich glaube, dass du nur glücklich werden kannst, wenn du dir verzeihen kannst. Es ist für dich nicht wichtig, ob du ihm verzeihen kannst. Wie gesagt, ich glaube, das kommt irgendwann ganz von allein. Und wenn nicht, dann ist das eben so.


Was tust Du aktiv dafür, Dir zu verzeihen? Mir fehlt da der Ansatz. Ich weiß und merke, dass es wichtig und oberste Priorität ist, mich um mich zu kümmern, mein glücklich sein nicht von einer Partnerschaft oder anderen Menschen abhängig zu machen. Das ist gerade meine wilder Garten, den ich dabei bin zu pflegen.

18.01.2018 12:09 • #400


scallisia
Hmmm... schwierig zu sagen. Was tue ich aktiv? Ich bin ja noch am Anfang. Ich schaue erstmal, ob und für was ich mir überhaupt verzeihen muss. Zum einen: was sind meine Anteile am Scheitern der Beziehung. Ja, das nehme ich ganz bewusst mit rein. Zum anderen (und das ist eigenlich viel wichtiger): warum bin ich so? Was kann ich nicht wirklich von mir annehmen? Welche Schwächen plagen mich unterbewusst? Kann ich diese ändern? Muss ich diese ändern?
Ich bin der Meinung, dass ich mich nicht aktiv ändern muss. Das passiert gerade ganz von selbst. Aber: ich möchte gerne meine Schwächen annehmen, so wie natürlicherweise auch meine Stärken annehmen kann. Ich hätte hier aus beidem gern ein Gleichgewicht. Weniger die Schwächen zu sehen und mehr auf meine Stärken zu bauen. Dazu bedarf es mE einer gewissen Akzeptanz bzgl. meiner Schwächen. Und genau setze ich an. Ich akzeptiere, das ich so bin wie ich bin und ich verzeihe mir, dass ich nicht anders kann. Zum Beispiel. Ich bin mir nicht sicher, ob das DER Weg ist, aber ich versuche den für mich richtigen Weg damit zu finden.

18.01.2018 12:22 • x 3 #401


Sunna
@scallisia

Hast Du schonmal von der Heilung des inneren Kindes gehört?

Ich persönlich glaube auch, das ganz viel von den Wurzeln unserer Kindheit her rührt.
So ist es auch wichtig zu erkennen, ob die Eltern sich nicht nur um die äußeren Bedürfnisse des Kindes, sondern auch um die Inneren gekümmert haben.

Das war bei mir nicht der Fall. Ich hatte eine schöne Kindheit, äußerlich fehlte es an nix. Aber meine Eltern hatten beide durch ihre Eltern selbst nicht erfahren, dass auf ihre kindlichen inneren Bedürfnisse eingegangen wurde (Trost, Konfliktbewältigung etc) - beide sind weitestgehend ohne Vater aufgewachsen.

Ich denke daher, dass man an diesem Fall schon mit dem Verzeihen im Elternhaus beginnen sollte.

18.01.2018 12:37 • x 1 #402


scallisia
Heute macht sich wieder eine innere Traurigkeit breit. Es ist auszuhalten, aber schwer. Und immer wieder die Frage, wann wird es besser? Ich weiß, ich versuche mich in Geduld zu üben. Ich kann seinen Vorsprung nicht aufholen.

@Sunna
Mit dem inneren Kind habe ich mich ausführlich beschäftigt. Das tue ich auch derzeit noch. Ich tröste es und versuche ihm beizustehen, wenn es sich meldet. So wie heute auch wieder.

Mir fehlt derzeit wohl die Perspektive.

Mittlerweile kann ich sogar einen Sinn hinter dem Ganzen entdecken. Ich soll mich wohl mal an meine inneren Baustellen wagen. Das war mir in der Beziehung nicht möglich. Auch das nehme ich an. Allerdings fehlt es mir noch an Zuversicht und Glauben, dass wirklich alles wieder gut wird.

19.01.2018 10:47 • x 1 #403


scallisia
Ich habe mir in letzter Zeit oft die Frage nach Glück gestellt. Soweit ich denken kann war ich meist mehr oder weniger Zufrieden. Aber glücklich? Ich hatte Momente des Glücks, ja. Aber so richtig glücklich? Dauerhaft? In der Partnerschaft? In mir? Nein. Ich denke nicht. Vielleicht ist es das, was das Universum nun für mich bereit hält. Mich nicht nur mit Zufriedenheit zufrieden zu geben, sondern endlich richtiges Glück zu erfahren. Gibt es das überhaupt? Das hält mich gerade ein wenig aufrecht.

19.01.2018 10:59 • x 2 #404


H
Mir geht es da wie Dir und auch in bin auf der Suche nach der wirklichen Zufriedenheit.
Aber ich glaube schon das es das gibt.
Natürlich ist nicht jeder Augenblick eines Lebens schön und man ist überglücklich.
Aber zumindest sollte man grundelegend das Gefühl haben, da wo man ist, da gehört man hin und da möchte man bleiben.
Ob alleine oder mit jemandem zusammen.

19.01.2018 11:02 • x 3 #405


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